Betrügereien, Ripoff in Beijing
Gestern habe ich den grössten öffentlichen Platz der Erde besucht, den Tiananmen Platz. Dies sei hier nur am Rande erwähnt. Der Platz ist durchaus einen Besuch wert. Nur leider tummeln sich dort auch Gesellen der übleren Sorte, die versuchen auf illegale Art und Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Gestern hatte ich das Vergnügen gleich mehreren Damen und Herren dieser Zunft bei ihrem Werk zu beobachten können.
1. Kapitel: Der Kunststudent
Ein netter junger Herr spricht mich in gutem Englisch an und erzählt mir er sei Kunststudent bei irgendeiner Universität in Beijing. Er habe nun seinen Abschluss in der Tasche und werde Beijing höchstwahrscheinlich bald verlassen. Zur Zeit sei in Beijing ein Kunstfestival, dies daure zehn Tage und zu diesem Anlass würden er und seine Kameraden ihre Werke ausstellen. Ob ich den Lust hätte, mir seine Werke anzuschauen. Es sei ganz in der Nähe vom Tiananmenplatz. Ich bin gespannt was nun auf mich zukommt und gehe mit.
Wir betreten einen Plattenbau. Weit und breit keine Universität. Hier befindet sich der Austellungsraum, wo er und seine “Kameraden” ihre Bilder ausstellen. Von Kameraden natürlich weit und breit keine Spur. Er zeigt mir die Bilder, einige sind ansprechend. Picassos gibt es aber nicht zu kaufen. Er meint, es handle sich hier um eine einmalige Chance und ausgerechnet heute sei der letzte Tag des Kunstfestivals. Zur Info: In ganz Beijing ist Weit und Breit keine Werbung für dieses Festival sichtbar. Gerade für solche Anlässe wird hier mehrsprachig geworben. Er versucht mir irgendein Bild an zudrehen. Die Kalligrafien (chinesische Schriftzeichen) kosten gerade mal 100Y (16 SFr). Ein Schnäppchen, meint er. Für chinesische Verhältnisse ein stolzer Preis, vor allem wenn es sich um einen unbekannten Künstler handelt.
Stichworte für den Betrügeralarm (Spamfilter):
- Plattenbau, weit und breit keine Universität.
- Keine Kameraden. Auch keine Bilder der Kameraden ausgestellt.
- Letzte Gelegenheit sich ein Bild zu kaufen.
- Sehr günstig, da er noch nicht ein bekannter Künstler sei.
2. Kapitel: Die Teezeremonie
Ich treffe auf dem Tiananmenplatz auf zwei junge Studenten, die sich in Beijing befinden um die Stadt zu besichtigen. Sie sprechen beide sehr gutes Englisch und verwickeln mich in ein typisches Touristengespräch. Was hat man bereits besichtigt, was will man als nächstes besichtigen, etc. Wir laufen in die gleiche Richtung, machen Photos. Sie teilen mir mit, dass sie nachher noch zu einem Teil der Altstadt Beijings hingehen möchten, der durch die Bauwut noch nicht zerstört sei. Dieser Teil befinde sich gleich in nach dem Tiananmenplatz. Klar, da gehe ich mit, denke ich. Dort angekommen laufen wir durch die engen Gassen und staunen ob dieser alten, leider heruntergekommenen Gebäude. Ein Student macht den Vorschlag etwas zu trinken, ein bisschen zu sitzen und sich auszuruhen. Keine schlechte Idee, denke ich und willige ein. Zielstrebig steuern sie auf ein Teehaus zu und auf geht es zur Teezeremonie. Ihre Eltern haben ihnen dies Aufgetragen, man solle doch eine Teezeremonie in Beijing besuchen.
Die Teezeremonie war nicht schlecht. Nur die Rechnung war lächerlich. 1840Y (300 SFr) für 3 Personen, 6 verschiedene Teesorten und einen kleinen Snack. Als ich meinte, dieser Preis sei lächerlich, meinte die Zeremonienmeisterin es handle sich um sehr guten Tee und ausserdem sei dies ein Governement Teahouse. Die Preise seien am Eingang ja auch angeschrieben (angeschrieben waren sie, nur fast nicht sichtbar). Die beiden Studenten waren tief betrübt und meinten ihre Eltern seien sicherlich geschockt von dieser Ausgabe. Sie hätten vergessen vorher nach dem Preis zu fragen.
Wie kommt man da wieder raus? Man stellt sich dumm. Aufregen macht die Sache nur noch schlimmer. Ich habe nur wenig Geld dabei (viele Touristen haben leider meistens grosse Geldbeträge in der Brieftasche), auch kein Plastikgeld und auch keinen Ausweis. Die Studenten wollten mir gütiger weise das Geld vorschiessen und haben mir eine Telefonnummer und eine EMailadresse aufgeschrieben. Ich solle sie doch am nächsten Tag kontaktieren und das Geld überbringen. Der Student begleitete mich an die Hauptstrasse, anschliessend wollte er zum Geldautomaten. Ich bin ihm gefolgt. Er ging nicht zum Geldautomaten und ging auf direktem Wege zum Teehaus zurück.
Im Internet fand ich anschliessend folgenden Beitrag zu diesem Thema. Leider nur in Englisch.
http://atomicpug.net/shane/2005/11/09/an-adventure-an-experience-and-a-lesson/
Stichworte für den Betrügeralarm (Spamfilter):
- Ein Chinese, der nicht zu Beginn über den Preis informiert, gibt es nicht.
Schlussfolgerung:
- Hüte dich vor Einheimischen die ein sehr gutes Englisch sprechen und sich an sehr touristischen Orten aufhalten.
- Die Chinesen sind sehr schlau.
- Immer zuerst nach dem Preis fragen.